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Wer gerne einmal ein Würzburg Radar von Nahem sehen möchte und sich für Radartechnik interessiert, der sollte sich das Radar Museum in Douvres nicht entgehen lassen!
Denn dieses Museum ist ein Highlight für alle Fans der Militär- und Funktechnik

Das Radarmuseum bei Douvres

 

Distelfink

So lautete der Codename der Radarstation bei Douvres la Delivrande, welche Ende 1942 zur Abwehr von Angriffen wenige Kilometer westlich der ruhigen Ortschaft Douvres sur Mer errichtet wurde. Es handelte sich um die größte Radarstation der Region Calvados.


Diese Radarstation umfasste eine Größe von ca. 10 Hektar und wurde südlich von einer Straße durchzogen. Sie teilte sich in einen nördlichen und einen südlichen Teil. Ausgestattet war die Station mit einem Radar vom Typ "Wassermann" - mit über 50 Meter Höhe ein echter Riese, der natürlich nicht lange unentdeckt blieb. Im südlichen Teil befanden sich zwei Freya-Stationen und zwei Würzburg Radare (bekannt als FuMG 65 Würzburg Riese). 

Das Herzstück dieser Station bildete der sogenannte Hindenburgbunker - ein Bunker, welcher aus 20 Räumen bestand und die operative Zentrale der Radarstation bildete.

Schnittmodell Antonbunker
Das ausgestellte Schnittmodell des Anton-Bunkers

 

Stark befestigt

Die gesamten 10 Hektar waren ein echtes Verteidigungsbollwerk. So war die Station rundum von Bäumen geschützt und der Standort bot bereits einen natürlichen Schutz gegen Landangriffe.
Insgesamt bestand die Station aus mehr als 30 Verteidigungstellungen, alle verbunden durch verwinkelte Verbindungsgänge. Rundum wurde die Station durch Minenfelder, Stacheldraht und Anti-Panzer-Gräben gesichert.
Zur Kampfvertidigung standen an allen Verwinkelungen Maschinengewehre, schwere und leichte Flakgeschütze, Mörserstellungen und PAK-Stellungen. (FLAK = Flugabwehrkanone und PAK = Panzerabwehrkanone)

Die Radarstation von Douvres auf einem Luftbild von 1944
Die Radarstation von Douvres auf einem Luftbild von 1944

 

D-Day und die darauf folgende Kämpfe um die Radarstation

Am D-Day (06.06.1944) wurde die Station von einer 230 Mann starken Besatzung gehalten. Es handelte sich um die 8. Kompanie des Luftnachrichtenregiment 53. Als das Feuer eröffnet wurde, mussten die Soldaten vier Stunden schwerstes Geschützfeuer, ausgehend von Schiffsgeschützen über sich ergehen lassen. Die Radare ( selbst wurden hierbei alle vollständig zerstört, die Bunker und Verteidigungsstellungen blieben jedoch größtenteils intakt und so wurde sich dazu entschieden, diese strategisch extrem wichtige Stellung zu halten.

Ebenfalls ausgestellt: Bilder der Radarstation nach dem Kampf
Ebenfalls ausgestellt: Bilder der Radarstation nach dem Kampf

Tatsächlich wurde das Dorf Douvres bereits am 07.06.1944, also einen Tag nach dem D-Day, von Soldaten der britischen 3. Infanteriedivision eingenommen und befreit. Doch Douvres blieb noch immer im Mittelpunkt des Kampfbereichs, da die Besatzung der Radarstation die verbliebenen Trümmer mit allen Mitteln verteidigten. Hinzu kam, dass nach der schweren Einnahme von Chateau de Tailleville durch britische Panzertruppen, Soldaten der 716. Infanteriedivision zu den Verteidigern der Radarstation als Verstärkung herangeführt wurden.
Die Radarstation bildete nun einen gefährlichen Dorn zwischen den britischen Linien und die Briten setzten alles daran diese Gefahr zu beseitigen. Nach mehreren vergeblichen Angriffen gelang es dann Soldaten der 22. britischen Dragon Guards, welche der 79. britischen Panzerdivision unterstellt war, nach zwei Stunden Kampf endlich die Station einzunehmen. Hierbei verloren sie 12 Panzer und drei Soldaten starben. Auf deutscher Seite starben zehn Soldaten bei dem Gefecht. Dies zeigt die Härte dieses kurzen aber immensen Gefechts sowie die Kampfkraft dieses Verteidigungsbollwerks.

Nach dem Gefecht untersuchten die Briten die Station eingehend. Das meiste war komplett zerstört, das Wassermann-Radar war nur noch ein Trümmerhaufen und die Parabolantenne des Würzburg-Riesen war schwer beschädigt.
Einige Soldaten quartierten sich in den Bunkern ein. Hier entstand auch das berühmte Bild mit dem Hindenburg-Bunker, auf welchen die britischen Soldaten "Under new management" geschrieben hatten.
Nach den Kämpfen in der Normandie wurde die gesamte Station von sämtlichen Explosivmitteln befreit und wieder den Bauern, also den eigentlichen Besitzern, zur Verfügung gestellt.

 

Das Radarmuseum

Das Radarmuseum wurde am 31.05.1994 genau an der Stelle eröffnet, an welcher sich die Station befand. Kein Wunder, denn ein Abriss der Bunker wäre viel zu teuer gewesen und so ist es heute glücklicherweise jedem Besucher möglich einen großartigen Einblick in die gesamte Anlage zu bekommen. Die Bunker sind alle in erstaunlich gutem Zustand und geben einen tollen Eindruck vom den unterschiedlichen Bauweisen der Bunker.

Das Herzstück des Museums ist ganz klar der originale Würzburg Riese. Noch bevor man auf den Parkplatz des Museums fährt, sieht man bereits von weitem dieses wunderschöne Stück Zeitgeschichte, welches zentral und gut in Szene gesetzt ist.
Der ausgestellte Würzburg Riese ist übrigens nicht der Riese, welcher in dieser Station aufgestellt war. Es handelt sich jedoch um einen von zwei als Kriegsbeute nach England und 1957 wieder zurück nach Frankreich verschifften Originale, welche alle aus Frankreich stammen. Ein Verbund aus französischen, britischen und US Wissenschaftlern nutzten die Riesen für Forschungszwecke. Bis kurz nach dem Krieg wurden sie genutzt um mehr über die ihrer Zeit recht weit entwickelte deutsche Radartechnik zu erfahren. Später wurden die Riesen modifiziert und zur Erkundung des Weltraums genutzt.
1991 wurde der Würzburg Riese vom Nancay Observatorium an das neu entstehende Radar Museum gestiftet.

Bild des ausgestellten Würzburg-Riesen - Derzeit wird er restauriert
Bild des ausgestellten Würzburg-Riesen - Derzeit wird er restauriert
Die Parabolantenne im Detail
Die Parabolantenne im Detail

Zu den weiteren Highlights in der Ausstellung zählt auch eine 2cm Flak. Diese stammt original von der zerstörten Radarstation und war Teil der Flugverteidigungsmaßnahmen. Die 2cm Flak kann in allen Details betrachtet werden.

Aber auch modernere Radartechnik, wie z.B. ein komplettes COTAL Radar oder US Radartechnik sind ausgestellt.
Abgesehen von der Geschichte der Radarstation wird in den einzelnen begehbaren Bunkern die Entwicklung der Radartechnik mit vielen Anschauungsstücken erläutert. Viele Modelle und Diorahmen zeigen u.A. den Bau des Anton-Bunkers und unterschiedliche Radartypen.
Der Antonbunker ist mit Ausnahme der Kommunikationszentrale voll begehbar. Die Kommunikationszentrale ist aufgrund von Platzproblemen hinter Glas, kann jedoch auch in allen Details betrachtet werden.

Die ausgestellte 2cm Flak
Die ausgestellte 2cm Flak

Für Technikbegeisterte und natürlich für historisch Interessierte ist dieses Museum definitiv eine Bereicherung. Man lernt viel über die Radaranlagen und auch einiges über die Entwicklung des Radars bis hin zu den modernen Radartypen. Als Begehungszeit sollte man sich gut zwei Stunden einplanen. Diese Zeit reicht aus um sich alles in Ruhe anzuschauen. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, alleine schon weil das Museum in der Landschaft der Kriegsmuseen durch den starken technischen Bezug ein klares Alleinstellungsmerkmal besitzt!