Jeder, der zur militärhistorischen Besichtigung in die Normandie fährt, sollte in jedem Fall auch einmal Sainte-Mère-Église besucht haben!

 

Warum?

 

Historische Ereignisse

Sainte-Mère-Église wurde in der Nacht des 06. Juni 1944 zu einer ungewollten Absprungzone für die Fallschirmjäger des 505 Regiment der 82. US Airborne Division, sowie auch für einige versprengte Fallschrimjäger der 101. Airborne Division.

Die Soldaten landeten in dem gesamten Dorf verstreut und auch mitten auf dem hell erleuchteten Kirchplatz. Aber fangen wir erst einmal von ganz vorne an:

In der Nacht des 06. Juni 1944, also in der Nacht der alliierten Invasion, dem sogenannten D-Day, brausten riesige Mengen von US Fallschirmjägerverbänden über die Normandie. Der heikle und verlustreiche Auftrag der US- Fallschirmjäger: Schlüsselpunkte einnehmen und zur Sicherung der Invasion halten, bis die Landungstruppen ankommen.

Obwohl das Oberkommando der Wehrmacht eine Invasion der Alliierten in der Normandie nahezu ausgeschlossen hatten, wurden u.A. durch Anregung von Generalfeldmarschall Erwin Rommel auch hier teilweise starke Abwehrkräfte stationiert. Den wirklichen Angriff der Alliierten erwartete man am Port-des-Calais, was zum einen strategisch Sinn machen würde und zum Anderen auch durch Täuschungsmanöver der Alliierten vorgegaukelt wurde. Diese Täuschungsoperation hatten den Namen „Operation Fortitude“, was hier auch noch kurz angeschnitten werden soll, da dies auch den Bereich der Nachrichtentruppe betrifft.

Denn Teil dieser Operation war es, durch gezielt falsche Funksprüche den Eindruck zu erwecken, die alliierte Invasion würde in der Tat am Port-des-Calais stattfinden. Verstärkte Bombenangriffe im Bereich des Port-des-Calais und fiktive Einheitenbildungen bei Dover verstärkten den Verdacht. Hier zeigt sich wieder, zu was Nachrichtenübermittlung tatsächlich in der Lage ist! Das Glücken dieser Operation und die Glaubwürdigkeit des falschen Funkverkehrs waren letztlich mit entscheidend für den Erfolg der "Operation Overlord", der Landung der Alliierten in der Normandie.

Die in der Normandie gebündelten Abwehrkräfte waren bei weitem nicht so stark wie an anderen Stellen des sogenannten Atlantikwalls, jedoch wurde das Abwehrfeuer durch Flugabwehrgeschütze so stark, dass die teilweise unerfahrenen Flieger der Luftlandetruppen unter unglaublichem Beschuss standen. Viele dieser Landungsflugzeuge wurden bereits mitsamt der Besatzung im Himmel abgeschossen. Andere kamen teilweise extrem vom Kurs ab.

Weiter sorgten schlechtes Wetter, starke Böhen und ein zur Orientierung sehr schlecht geeignetes Gelände in der Normandie dafür, dass die meisten Fallschirmjäger wild verstreut in der Normandie landeten.

Die Kirche und der Kirchplatz von Sainte-Mère-Église
Die Kirche und der Kirchplatz von Sainte-Mère-Église

 

Im Zuge dieser Situation kam es auf dem Kirchplatz von Sainte-Mère-Église am Vorabend der Landung zu einem schrecklichen Ereignis für die Soldaten des 505. Regiment der 82. Airborne Division und der 101. Airborne Division.

Die Fallschrimjäger verfehlten ihr eigentliches Absprungziel und landeten mitten auf dem Kirchplatz von Sainte-Mère-Église!

Als wäre es damit nicht genug, kamen noch zwei weitere schicksalshafte Zufälle hinzu:

In Sainte-Mère-Église befand sich zu diesem Zeitpunkt eine deutsche Garnison. Und tatsächlich kam es an einem Haus, welches an den Kirchplatz angrenzt ausgerechnet in dieser Nacht zu einem Brand! Alarm wurde gegeben und die gesamte Bevölkerung mitsamt einigen Soldaten der Wehrmacht begannen damit, den Brand zu löschen.

Das gesamte Dorf war auf den Beinen, ebenso große Teile der dort stationierten Soldaten der Wehrmacht und durch den Brand war der Kirchplatz hell erleuchtet.

Wenn ein Fallschirmjäger einmal das Flugzeug verlassen hatte, war es quasi dem Zufall überlassen, wo er landete. Und so landeten viele der Soldaten mitten in Sainte-Mère-Église. Mitten unter die deutschen Soldaten, die bereits durch Wachposten alamiert waren!

Viele der Fallschirmjäger wurden bereits in der Luft getötet. Einige landeten und mussten direkt im Kugelhagel versuchen irgendwie in Deckung zu gehen und sich zu wehren.

 

Seine Bekanntheit verdankt das Dorf zum einen seinem damaligen Bürgermeister Alexandre Renaud, welcher einige Schriften zu seinen Erlebnissen veröffentlichte. Aber bekannt wurde dieses Dorf, in dem sich diese schrecklichen Ereignisse zutrugen auch durch den Film "The longest day" (auf deutsch "Der längste Tag") von Daryl Zanuck. 

Das Haus des damaligen Bürgermeisters von Sainte-Mere-Eglise
Das Haus des damaligen Bürgermeisters von Sainte-Mère-Église

 

 

John Steele

Der Name John Steele ist vielen bekannt. Er war Fallschirmjäger im 505. Regiment und landete mitten auf dem Kirchendach, rutschte weiter ab und hatte Glück, dass sich der Schirm am Glockendach verfing. Über den gesamten Kampf hinweg hing er dort und musste dem Kampfgeschehen zusehen. Er versuchte sich loszuschneiden, doch das Messer fiel ihm aus der Hand. Gleichzeitig läuteten die Glocken unaufhörlich. Hiervon wurde er auch einige Tage lang annähernd taub.

Einige der Fallschirmjäger, welche sich außerhalb von Sainte-Mère-Église sammeln konnten, drangen unter Führung von Major Edward C "Ed" Cannonball Krause und Lieutenant Coronel Benjamin H. Vandervoort (in "Der längste Tag wird er übrigens von John Wayne gespielt) in Sainte-Mère-Église ein und konnten nach einigen Stunden Kampf den Ort größtenteils befreien und halten.

Beim Rückzug der Wehrmacht schoss ein deutscher Soldat auf Steele, traf ihn jedoch nur in den Fuß. Steele stellte sich tot, aber der deutsche Soldat zog ihn in den Kirchturm und stelle so die wahre Vitalität von Steele fest. John Steele kam dabei in deutsche Kriegsgefangenschaft, konnte sich jedoch aus dieser wieder befreien.

Die Puppe an der Kirche von Sainte-Mere-Eglise
Die Puppe an der Kirche von Sainte-Mère-Église

 

Ken Russel

Auch, wenn im Film "Der längste Tag" nur John Steele thematisiert wird, so muss man historisch korrekt sagen, dass er nicht alleine am Dach hing! Tatsächlich hatten gleich zwei Soldaten das Pech (oder auch Glück), sich am Glockendach zu verfangen. Neben John Stelle hing auch der damals erst 17- jährige Ken Russel am Glockenturm.

Laut einer Aussage von Ken Russel, wollte ein Sergeant John Ray beide retten. Ein deutscher Soldat versuchte das Feuer auf sie zu eröffnen, traf jedoch erst Sergeant Ray in den Bauch, welcher ihm jedoch noch in den Hinterkopf geschossen habe und die beiden somit gerettet habe.

 

Kirchplatz und Kirche

Der Kirchplatz bildet heute natürlich das touristische Herz von Sainte-Mère-Église und bildet zusammen mit der Kirche ein nahezu idyllisches Plätzchen, wo sich ein Stop auch für nicht militärisch Interessierte empfiehlt.

Als "Augenfänger" wurde eine Fallschirmjägerpuppe am Glockenturm der Kirche befestigt. Diese Puppe hat jedoch nur einen rein symbolischen und touristischen Zweck, denn John Steele hing nicht an der Kirchplatzseite, sondern an der abgewandten Seite. Trotzdem sieht man das Kirchendach schon von weitem und die Puppe verfehlt nicht ihren Zweck.

Auch eine Besichtigung der Kirche kann nur empfohlen werden! Hier kann man sehr kunstvoll hergestellte Fenster betrachten, welche (so steht es im Touristenführer ;) ) das weltliche mit dem militärischen verbinden. Aus meiner Sicht muss man wirklich sagen, dass die Fenster je nach Lichteinfall in der Tat sehr schön sind! Auf einem der Fenster kann man den Erzengel Michael sehen, wie er einen Drachen (symbolisch für die NS- Herrschaft) tötet. Das andere Bild zeigt die Jungfrau Maria über Sainte-Mère-Église, an deren Seite die Fallschirmjäger auf das Dorf heruntergleiten. 

Die Fallschirmjäger mit der Jungfrau Maria
Die Fallschirmjäger mit der Jungfrau Maria

 

Das Dorf

Das Dorf ist heute natürlich ein sehr touristisch geprägter Ort, jedoch trotzdem noch sehr ländlich und schön! Innerhalb des Dorfes dreht sich alles um die Nacht von dem 05. auf den 06. Juni 1944. Direkt auf dem Kirchplatz befindet sich noch die originale Handpumpe, mit der das Wasser zur Brandbekämpfung gepumpt wurde. Diese Handpumpe wird von der Bevölkerung als ein wichtiges Symbol für das Dorf angesehen und in regelmäßigen Abständen restauriert. 

Direkt im ehemaligen Garten des Hauses, welches damals fast abgebrannt ist, befindet sich das "Musée Airborne", das Museum der Luftlandetruppen, welches in jedem Fall eine Besichtigung wert ist!

In der Rue de la Cayenne befindet sich eine Gedenktafel für vier Fallschirmjäger, welche am 06. Juni 1944 gegen 17Uhr an dieser Ecke durch deutschen Artilleriebeschuss den Tod fanden. 

Ziemlich genau in der Dorfmitte befinden sich noch zwei weitere Gedenktafeln, welche an die vielen gefallenen US Fallschirmjäger, sowie an die zivilen Opfer dieser Tage gedenken. 

Direkt vor dem Rathaus befindet sich noch der sogenannte "Grenzstein 0", eine Markierung an der Voie de la Liberte, der Straße der Freiheit. Symbolisch wurde festgelegt, dass Saint Mere Eglise der erste Befreite Ort auf dem europäischen Festland war. Von hier ab sollte die Straße der Freiheit beginnen. In der Tat ist dieser Stein rein symbolisch, denn tatsächlich war der erste befreite Ort auf dem europäischen Festland Ranville im Calvados (ebenfalls Normandie), welcher bereits 2 Stunden vor Sainte-Mère-Église befreit wurde.

Der Sandstrand östlich von Sainte-Mere-Eglise
Der Sandstrand östlich von Sainte-Mère-Église

 

Weiter sollte noch erwähnt werden, dass Sainte-Mère-Église nicht weit vom Meer entfernt ist. Nur wenige Kilometer östlich, bzw. nordöstlich findet sich ein ganz wunderbarer Sandstrand, welcher übrigens teilweise zum Landungsabschnitt Utah Beach gehörte. 

Sainte-Mère-Église liegt sehr idyllisch inmitten von sehr schönen Weiden und Feldern und ist auch für Naturbegeisterte aufgrund der Artenvielfalt und der unberührten Natur nur zu empfehlen und eine Reise wert!

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.